Historisches

Die Burg

Das Alsbacher Schloß  (Burg Bickenbach) wurde etwa um 1235 von den Herren von Bickenbach auf der 257 m hohen Anhöhe dicht beim Dorf Alsbach erbaut. Die Burg war nicht der Stammsitz dieses Geschlechts. Dieser lag in der Ebene auf dem sogenannten Weilerhügel, der eine Turmburg trug, die von einem doppelten Wassergraben geschützt war. Wahrscheinlich war es Gottfried  I. von Bickenbach (Bezeugt 1211 - 41, > vor 1245)der die Burg erbauen lies.

Die erste Erwähnung der Burg sind im Pfälzer Kopiallbuch B in drei Urkunden aus den Jahren 1241 bis 1245 zu finden. Aus den vorhanden Urkunden geht hervor, daß die Burg bereits vor 1240 bestanden haben muß. Die Bauzeit einer solchen Burg hat etwa 5-7 Jahre betragen. Mit dem Bau ist sicherlich spätestens ums Jahr 1230 begonnen worden, wenn wir nicht überhaupt die Erbauung ins 12. Jahrhundert verlegen müssen.

Für eine Erbauung im 12. Jahrhundert spricht, daß viele andere Burgen der näheren Umgebung um diese Zeit entstanden sind. Schon bald nach der Erbauung der Starkenburg ( 1065 ) ist Burg Lindenfels bezeugt ( 1077-88 wurde die Slirburc = Burg über Schlierbach dem Abt Winither entfremdet, muß demnach unter Abt Ulrich vor 1075 erbaut worden sein). 1111 muß Abt Benno die Windeck bei Weinheim schleifen lassen, die Abt Diemo 1130 von neuem aufbauen darf. Unter diesen Umständen wäre es durchaus möglich, daß die Burg Bickenbach unter dem Schutz des Mainzer Erzbischofs schon 1130 erbaut war.

Gegen eine Erbauung um 1130 spricht, daß benachbarte Burgen auch erst in der Mitte des 13. Jahrhunderts zum erstenmal genannt sind und nicht lange vorher erbaut sein dürften: Frankenstein 1252, Tannenburg 1239, Auerbacher Schloß 1257. Grund zur Erbauung dieser Burgen könnte die um 1232 ausgebrochene, überaus heftige mainzischpfälzische Fehde über die Vogteirechte an der ehemaligen Reichsabtei Lorsch gewesen sein, die zum Nachteil des Erzbischofs von Mainz ausschlug. Es ist wahrscheinlich, daß damals die Pfälzer die Wasserburg am Weilerhügel eingenommen und verbrannt haben, da die Herren von Bickenbach Vasallen des Erzstiftes waren. Es blieb den Herren von Bickenbach keine andere Wahl, als eine sichere, uneinnehmbare Höhenburg zu errichten. Da Seeheim damals nicht mehr zu ihrer Herrschaft gehörte, konnten sie nur bei Alsbach einen geeigneten Platz ausfindig machen. Der Grundriß, der frühesten Burganlage (Kernburg) hatte die Form eines unregelmäßigen Dreiecks. Nach Südwesten war die Mauer am stärksten (Angriffsseite). Die beinahe 50 m lange Schildmauer, durch die man heute noch in den inneren Burghof eintritt, war 2,20 m stark. Dicht dahinter stand der hohe runde Bergfried, der sich bis in unsere Zeit erhalten hat. Das ehemalige Eingangstor, bekrönt von einem Torturm, befand sich ostwärts des Bergfriedes in der Südostecke des Schloßhofes. Das Wohngebäude, der Palas, war an die nordwestliche Ringmauer angelehnt, mit den Fenstern nach Südosten. Innerhalb der Kernburg hatte auch die Kapelle ihren Platz, nur ist ihr genauer Standort nicht mehr auszumachen. Der Bergfried hat eine Mauerstärke von etwa 4 Metern. Vermutlich war er anfangs schwächer und wurde erst nach der Erfindung der Geschütze kurz vor 1400 auf diese Stärke gebracht. Es ist noch nicht festgestellt, ob man den alten Turm einfach mit einem "Mantel" umgab, oder ob man den alten Bergfried abriß und von Grund aus neu erbaute. Von unten war der Turm nicht zugänglich. Erst in Höhe des ersten Stockwerks, vom Übergang aus, konnte man in den Turm gelangen. Wie überall barg auch er das Verlies.

An den Palas schlossen sich die Wohngebäude für das Personal, die Wirtschaftsgebäude und Stallungen an. Ob ein Brunnen - wie auf dem Auerbacher Schloß bestand, ist unbekannt. Eine Zisterne zum Auffangen des Regenwassers war gewiß vorhanden.

Anfangs lief um die Mauer ein 5-7 m breiter Graben. Er entfiel, als man noch im 13. Jahrhundert die Kernburg mit einem Zwinger umgab. Diese vorgeschobene Mauer sollte dem Angreifer das Leben schwerer machen.

Um 1370 wurde ein Vorhof südwestlich vor die Burg gelegt, um die Verteidigungskraft nochmals zu erhöhen. Der neue Zugang wurde nach Nordwesten verlegt. Der Burgweg führte zunächst über eine Rampe, die in einer Zugbrücke endete. Man gelangte dann durch ein äußeres Tor in einen Barbakan und durch ein zweites Tor in die Vorburg. Der Barbakan, ein enger Durchgang zwischen äußerem und innerem Tor, sollte den Verteidigern gestatten, eingedrungenen Gegnern siedendes Wasser oder brennendes Pech von oben auf die Köpfe zu schütten. Von der Vorburg führte ein Weg über eine zweite Rampe und eine zweite Zugbrücke durch das in die alte Schildmauer gebrochene Tor in den inneren Burghof.

Zu späterer Zeit hat es im Innern der Burg verschiedene Anbauten gegeben. Die Nachrichten darüber sind spärlich. Wir wissen, daß dem Mainzer Erzbischof ein bestimmtes Gebäude (Mainzer Hofstatt) vorbehalten war, auch hatten die einzelnen Ganerben ihre genau abgegrenzten Wohn- und Wirtschaftsräume. Nähere Aussagen lassen sich jedoch nicht machen. Nach Gottfried I. folgen seine Söhne Konrad und Otto, die teilten sich den Besitz. Ums Jahr 1300, sicherlich nicht vor 1280 wurde das Schloß dem Erzstift Mainz zu Lehen aufgetragen. Wahrscheinlich ist dies erst unter Ulrich I. geschehen, als er in den unruhigen Zeitläuften Schutz brauchte und ihn bei dem mächtigen Erzbischof Peter von Aspelt (dem Königsmacher) fand, der von 1306-20 als Inhaber des Mainzer Stuhls gleichzeitig Erzkanzler des Reiches war.

Am 11. Juli 1312 gab Erzbischof Peter seine Einwilligung, daß Ulrich seine Gemahlin Elisabeth auf die Burg Bickenbach bewittumte, d. h. sie wurde mit 1500 Mark auf ihre alten Tage gesichert.

Ulrich (> 1339)hinterließ eine Witwe und zwei Töchter, aber keine Söhne. Konrad III. (1298 – 1353) als nächster Verwandter erstrebte die alleinige Beleihung durch Mainz nach dem Tod der Witwe. In langwierigen Verhandlungen erreichte diese, daß ihre Töchter und ihre Nachkommen weiter mit ihrem Anteil belehnt blieben, nur zog der Erzbischof 1/3 des Schlosses als heimgefallen ein.

Damit war der Grund zu einer Ganerbschaft gelegt, In der Folgezeit wurde der Besitz immer mehr zersplittert. Die Grafen von Wertheim, Schenken von Erbach, die Echter, von Eberstein, von Hohenfels-Reipoltzkirchen, die Ulner von Dieburg, Kämmerer von Worms wurden Mitbesitzer an der Burg. Nach und nach erwarben die Schenken von Erbach fast alle Anteile, so daß sich Schenk Erasmus Herr von Erbach und Bickenbach nennen konnte.

Konrad III. beschwor 1339 einen Vertrag (Burgfrieden), um alle Probleme des gemeinsamen Besitzes zu regeln. Drei Obmänner (Werner Kuche, Konrad von Reckershausen, Hartmann Ehrenfried von Schonenberg) wurden gewählt, die Streitigkeiten zu schlichten und über die Erfüllung dieses Vertrages zu wachen hatten. Kein Ganerbe soll dem andern Schaden zufügen, es sei denn, dieser habe den Burgfrieden zuerst gebrochen. Die gemeinsamen Gebäude wie Türme, Mauern, Tore, Brücken, Gräben usw. sollen gemeinsam unterhalten werden Keiner der Ganerben darf seinen Anteil verpfänden oder verkaufen, bevor er ihn ein Vierteljahr vorher den Mitganerben angeboten hat. Wenn diese einen gleichen Preis zahlen wollen wie ein Fremder, haben sie das Vorkaufsrecht. Kein Teil der Burg darf in eines Fürsten Hand geraten (Damit waren die Landgrafen von Hessen gemeint). Der Erzbischof von Mainz behält sich das Recht vor, ein Haus in der Burg bauen zu dürfen. Der Burgfriede reicht so weit wie die damalige Alsbacher Gemarkung, seine Grenzen werden genau beschrieben. Wächter und Diener sollen allen huldigen und gemeinsam bezahlt werden.

Mit der Stadt Frankfurt hatte Michael von Bickenbach verschiedene Fehden, die sich von 1448-51 und von 1462-69 hinzogen. Die erste Fehde entstand aus einem Zwist über ein Mannlehen, das Konrad VII. von Bickenbach dem Frankfurter Bürger Hartmann Becker übertragen, während sein Vetter Ulrich II. es dem Contz Geyling von Altheim übergeben hatte. Jahrelang wechselte Ulrich II. in dieser Vermögensangelegenheit Briefe mit Becker. Dieser rief den Rat der Stadt um Hilfe an. Um der leidigen Sache ein Ende zu machen, veranlaßte der Rat seinen Bürger, "um des lieben Friedens halber" das Lehen liegen zu lassen. Ulrich II. war damit nicht zufrieden, sondern forderte Schadenersatz (1447) und den Austrag der Sache vor dem Grafen von Katzenelnbogen, während Becker sich nur imstande erklärte, vor einem Frankfurter Gericht zu erscheinen. Es scheinen noch allerhand Schikanen und Gewalttätigkeiten erfolgt zu sein, jedenfalls erschien Michael von Bickenbach, der Sohn Ulrichs, am 11. Oktober 1448 unerwartet mit 200 Reitern vor den Toren der Stadt, fing Vieh ein und nahm einige Männer gefangen. Danach erst schickte er mit einem reisigen Knecht einen Fehdebrief in die Stadt, der allein auf seinen Namen lautete. Seine Mitstreiter verschwieg er: Philipp d. Jüngere von Frankenstein, Engelhard von Rodenstein, Contz Echter, Contz Phil. von Aulenbach, Sifrid Bocke von Geffenstein, Philipp von Riedern, Jorg von Rosenberg, Gerhard Forstmeister von Gelnhausen, Hans Wamolt d. Jg., Philipp Rabenolt, Philipp von Habern d. Ä., Hans Kalb von Reinheim, Siegmund Auer von Swindau u. a. Frankfurt ließ sich diesen Übergriffe nicht gefallen, schickte an alle Beteiligten Fehdebriefe und wehrte sich kräftig. Michael brandschatzte Sulzbach mit 900 Gulden, nahm Frankfurter Bürger gefangen und soll auch angeblich Knechte als Bettler verkleidet in die Stadt geschickt haben, um diese anzuzünden. Während der Fehde wurde der Rat der Stadt zweimal von seinen Feinden bezichtigt, Giftmischer angeworben zu haben, um seine Widersacher aus dem Wege zu räumen. Am 7. Juli 1449 schrieb Philipp von Frankenstein d. Jg. an den Rat, zu ihm sei ein Frankfurter Knecht gekommen, habe sich als Koch ausgegeben und schließlich gestanden, er sei von dem alten Bürgermeister Henne Rohrbach und Wigel Heig gedungen worden, "meinen Ohein (Michael von Bickenbach), Freunde, Mitgesellen und mich, die euer Feinde sein, zu vergiften". Ein halbes Jahr später richtete Gerhard Forstmeister von Gelnhausen an den Rat der Stadt ein Schreiben, er und Philipp von Frankenstein hätten einen Frankfurter Knecht namens Peter Lautenschläger gefangen, "der .sich bekannt hat und noch bekennt", daß ihm Heintz Wisse (Schöffe zu Frankfurt) Giftgegeben habe, um solches in seinen Hof zu werfen und daß auch tatsächlich "myn erbar selig Hußfrauwe, darzu ir Dinstjungfrauwe, von dem Leben zum Tode bracht morden sin, den der almechtig Got gnedig und barmherzig ,sin wolle." Tatsächlich starb damals Gerhard Forstmeisters Gemahlin (Agnes Kreis von Lindenfels, > 1449) und ihre Dienstjungfer eines plötzlichen und unerwarteten Todes. Obwohl der Rat und die Beschuldigten diese Greuelpropaganda schärfstens zurückwiesen, wurden ihnen im Lande wenig geglaubt. Die Affäre fand erst ihr Ende, als König Friedrich III. den Kurfürsten Dietrich von Mainz mit der Erledigung der Angelegenheit beauftragte, der alle Mitglieder des Rates zum Schwur vorlud, und jeder einzeln schwören konnte, daß er von der Sache nichts wußte. Die Fehde konnte erst bereinigt werden, nachdem es Michaels Onkel Dieter Kämmerer gelang (1449), die streitenden Parteien an den Verhandlungstisch zu bringen. Am 10. Februar 1451 wurde die Fehde offiziell beigelegt. Doch der Haß auf beiden Seiten schwelte weiter. 1459 verlangte Michael von Bickenbach, daß ihm die Stadt den Bürger Peter Bone ausliefere, weil er sein Leibeigener und auch sonst ihm schuldig und pflichtig sei.

1462 kam es zu einem neuen Zusammenstoß. Die Frankfurter beklagten sich, ihre Feinde fänden Zuflucht auf der Burg Bickenbach. Ein Hans vom Stein, genannt Ungelt, aus Heidelberg hatte bei Mörfelden einigen Frank£urter Bürgern 7 Pferde weggenommen und sie und einen Henne Emmerich als Gefangenen auf die Burg Bickenbach geführt. Statt diesen Vorfall dem Rat der Stadt sofort zu melden, wie es das Fehderecht verlangte, tat dies Michael von Bickenbach erst 6 Tage später, so daß die Stadt ihn als Mitschuldigen betrachten mußte. Michael befürchtete, die Stadt werde diesmal mit ihrer Streitnacht vor die Burg ziehen und sie belagern. Daher forderte er alle Ganerben aui, zu Besprechungen auf die Burg zu kommen, um die gemeinsamen Abwehrmaßnahmen besprechen zu können. Michaels Vorgehen war den Mitganerben nicht angenehm. Sie suchten einen Konflikt zu vermeiden. Adam Kämmerer, der Oheim Michaels, griff ein und stellte seinen Neffen zur Rede. Michael hatte damals überhaupt keinen Anteil am Schlosse, sondern hatte nur eine Wohnung im Kämmerinchen Teil eingeräumt erhalten. Adam Kämmerer teilte am 15. Januar dem Rat der Stadt mit, daß Michael ihm wieder seinen Teil an Bickenbach zugestellt habe (also ausgezogen sei) und man dafür sorgen werde, daß in Zukunft keine Übergriffe und Unrechtmäßigkeiten mehr geschähen. "Dabei es der Rat wohl gelassen hätte, sofern es dabei blieben wäre", notierte der Frankfurter Ratsschreiber. Am 27. April 1463 kam es zu neuen Händeln. Ohne Fehde wurden Heinrich Wissen Knecht Henrich und Henne Scherer aus Frankfurt von Hartmann Ulners Knechten sowie von Heintz Fynde, Hans Burkarten und Wilhelm Smyd gefangen (dazu 4 Pferde hinweggeführt) und auf Burg Bickenbach in Gefangenschaft gelegt. Um den Streit zu schlichten, wurde Hans von Walbrun, der katzenelnbogische Amtmann zu Zwingenberg (seine Grabmal befindet sich in der dortigen Kirche), als Schiedsrichter angerufen. Er entschied zu Ungunsten der Frankfurter, was beweist, daß die Frankfurter Knechte nicht ohne eigene Schuld in Gefangenschaft geraten waren. Die Knechte mußten Urfehde schwören und noch Kostgeld für ihre Gefangenschaft bezahlen. Ihre Pferde durften sie nicht mitnehmen.

Drei Monate später wurde Hartmann Ulner, der seit 1454 Ganerbe auf Bickenbach war, wegen seines Knechtes Heinz Schneider zum Feind der Stadt. Er nahm mit seinen Knechten am 28. Juli bei Oberrad Vieh weg und trieb es auf  Bickenbach. Erst danach wurde dem Bürgermeister der Stadt ein Fehdebrief zugeschickt, der ohne Datum ausgestellt war. Solche und andere unbillige Hände zwangen den Rat, den Ganerben in das Schloß Bickenbach gemeinsam und jedem einzelnen nochmals Fehdebriefe zuzuschicken, sogenannte "Abklagen", in denen sie mitteilten, daß Mitganerbe Hamann Ulner Feind der Stadt geworden sei und daß der Rat alle Verantwortung und Entschädigung ablehne, wenn im Laufe dieser Fehde die Burg Bickenbach oder anderes Eigentum der Ganerben in Mitleidenschaft gezogen werde (23. August 1463). Als kurz darauf noch ein Bürger der Stadt gefangen, ein Knecht abgegriffen und ermordet, zwei Pferde erschossen und auch sonst "genommen wurde, was man kriegen könnte", entschloß sich der Rat, das Raubnest anzugreifen.

Acht Wochen später, am St. Lukastag (18. Oktober), hat das  Heer der Stadt unter seinem Hauptmann Hamann Waltmann die Burg  " Bickenbach abegelauffen und gebrand, des  Morgens umb 8 Urn ".  Bei dieser Gelegenheit konnte ein Gefangener aus Frankfurt aus dem Verlies befreit werden.

Die Burg wurde bei einem Überraschungsangriff im Morgengrauen, als die Wächter gerade wechselten, im Handstreich genommen, kräftig geplündert und danach in Brand gesteckt. Im Fehdebuch der Stadt Frankfurt steht darüber nur folgender kurzer Vermerk:

Bickenbach gewonnen und ußgebrand

Notandum Hamann Waltman der Stede Heubtman hat Bickenbach dz Sloß gewonnen off sant Lucasdag Anno 1463 des Morgens als eß  schoner Dag wz, do die Wechter davon gingen, do lieff er yne die porten abe und plonderte do inne so viel sie gefure mochten und stießen eß darnach ane, do brante iß uß.

Nach ihrem Abzug wurden die Frankfurter Söldner beschuldigt, in den Dörfern der Umgebung geplündert zu haben. Am 22. Oktober 1463 schreibt Contz Crafft, Keller zu Auerbach, an den Rat der Stadt "als die euren am Dienstag nächst vergangen das Schlosse Bickenbach geplondert und gebrannt haben, so bant sie etlichen meiner armen luden von Gogenheim, von Alspach, von Balckhusen und von Obern-Berbach das ire off dem Slosse und auch auswendig in den Dörfern das ire genommen".

Er bittet, das geraubte Gut zurückzugeben. Der Rat antwortet, Hauptmann Waltman und die andern wüßten davon nichts; nur ein Pferd auf der Weide in Balkhausen, das einem Mann des Schenken Jorg gehörte, sei genommen und wieder zurückgegeben worden. Die Stadt berichtet auch, Kysel und andere Männer von Alsbach seien den Siegern nachgefolgt, hätten sie geschlagen und ihnen erbeutetes Gut wieder abgenommen. Es scheint sich um Hans Kissel gehandelt zu haben, dem nach dem Bericht des Burggrafen von Starkenburg, Hans von Kronberg, 200 Malter Korn, 40 Malter Hafer, etlicher Hausrat und ein Pferd entwendet wurden.

Nach der Beilegung der Fehde mit Hartmann Ulner (Antoni 1464) erhoben die übrigen geschädigten Ganerben (Schenk Philipp zu Erbach, Adam Kämmerer, Konrad VII. von Bickenbach, Frank von Kronberg) Ansprüche, die sich bis zum Jahre 1474 hinzogen. Sie riefen sogar im Jahre 1467 die Westfälischen Gerichte (Feme) um Hilfe an. Beharrlich lehnte die Stadt alle Forderungen ab, unterstützt durch Mandate des Kaisers Friedrich. Letzterer verbot 1466 allen Fürsten, Städten, Rittern usw., Michael von Bickenbach in seiner Auseinandersetzung mit Frankfurt zu unterstützen. Ein gleiches Mandat erließ der Kaiser an die Ganerben zu Friedberg, Neu-Falkenstein, Kronberg, Staden, Bickenbach, Lindheim, Reiffenberg und Frankenstein, und am 21. März 1467 wiederholte der Kaiser diesen Befehl an Schenk Philipp von Erbach und sämtliche Ganerben Bickenbach. Besonders hartnäckig verliefen die Verhandlungen mit Konrad VII. von Bickenbach. Sie scheinen zu keinem Resultat geführt zu haben.

Nur mit Michael von Bickenbach, dem gefährlichsten Widersacher, verglich sich die Stadt am 1. Februar 1469 und nahm ihn als Hauptmann in ihren Sold. Mit noch sieben Geharnischten mußte er der Stadt zur Verfügung stehen und empfing einen Jahressold von 600 Gulden. Die Stadt sicherte ihm sogar, wenn er diese Stelle aufgab, eine Jahresrente von 50 Gulden zu. Er starb schon 1471. Vorher war es ihm, dem ewig Mittellosen, gelungen, 7/12 der Burg Bickenbach in seinen Besitz zu bringen. Allerdings erfüllte sich sein Traum, wieder Alleinbesitzer der Stammburg seines Geschlechts zu werden, nicht.

Die Burg in der Hand der Schenken

Was Michael von Bickenbach nicht gelang, erreichte Schenk Erasmus von Erbach. Sein Vater Philipp hatte vergeblich, trotz Hilfe des Kurfürsten von der Pfalz, versucht, von Frankfurt einen Ersatz der Schäden zu erhalten. Aus diesen mißlichen Ganerbenverhältnissen war nur herauszukommen, wenn man nach und nach die in andern Händen befindlichen Teile aufkaufte. Seinem Sohn Erasmus gelang dies. Er erwarb 1483 vom Erzbischof von Mainz dessen Anteil (1/3) am Schloß für 1200 Gulden. Dabei wurde ihm aufgebunden, die "armen Leute" zu schirmen und zu verteidigen und sie bei ihren alten Freiheiten zu lassen. Er soll auch die Wälder " nit lassen verwüsten oder verhauen dann als viel, als sie des zu brennen und zu bauen bedürfen".

Nach jahrelangen Verhandlungen konnte er den Anteil der Grafen von Mansfeld ankaufen, der über Susanne, die Tochter Konrads VII. von Bickenbach, in deren Besitz gekommen war. 1/4 des Schlosses und der Herrschaft  " mitsamt der  Behusung und Buwen in dem Sloß, auch die dorffe,  gerichte,  Zinsen, Zehnten, Gülten, gefälle,  lute,  gütter,  welde, . . . ecker,  mingarten etc. " wurden für 7700 Goldgulden dem Schenk Erasmus übereignet " und  setzen ihn und  sin Erben mit Mund,  Hand und  Halm in alle und jeder Gerechtigkeit . . . wir  sagen auch alle Amptlude, tornlute, thorwärtern, wechter des Huß  Bickenbach und alle und jeglich Schulteßen, Schöffen und Underthanen in den dörfern und weilern aller gelübde,  flicht und eyde gänzlich quitt, ledig und los, geben auch alle Urkunden und Register herau  . . .".

1502 konnte Erasmus den kleinen Anteil des Frank von Kronberg (1/12) für 275 Gulden erwerben. 5/6 der Burg und Herrschaft waren in seiner Hand, als er 1503 starb, der sich seit 1488  " Herr zu Erbach und Bickenbach " nannte.

  Bayrische Fehde

Im Jahre 1504 brach die sogenannte  " Bayrische Fehde " aus.  Der Kurfürst von der Pfalz war wegen Erbstreitigkeiten in Bayern in die Reichsacht geraten. Landgraf Wilhelm von Hessen, von  Kaiser  Maximilian mit der Vollziehung der Acht betraut, zog, nachdem er die pfälzische Burg Otzberg genommen hatte, die Bergstraße aufwärts. Da die Schenken von Erbach Pfälzer Vasallen waren, rückte er vor das Alsbacher Schloß, um es zu belagern, obwohl sich die Erbacher aus dem Streit ganz heraus und korrekt neutral verhielten. Der zaghafte Kommandant Hans Gans (von Otzberg) ließ es auf einen Sturm nicht ankommen und überbrachte dem Landgrafen am Sonntag, dem 9. Juni 1504, freiwillig die Schlüssel der Burg, obwohl der Landgraf seine Geschütze noch nicht nachgezogen hatte und eine Belagerung unter diesen Umständen recht aussichtslos gewesen wäre.

Nach dem Friedensschluß gab Hessen Burg und Amt Bickenbach nicht mehr heraus,

erklärte sich aber 15I0 bereit, den unmündigen Töchtern des Erasmus  8500 Gulden als  Entschädigung zu zahlen. Die Gebietserweiterung war ihm willkommen, weil das südlich von gelegene Amt Auerbach recht isoliert war. Philipp der Großmütige ließ die Verteidigungswerke instand setzen und verstärken. Seit 1504 sind Schloß und Dorf Alsbach hessisch.

  Unter hessischer  Herrschaft

Schon Simon hat 1858 behauptet, der seines Landes vertriebene Herzog Ulrich von Württemberg habe in den Jahren 1527-33 hier  Zuflucht gefunden. Pasque hat diese Begebenheit schriftstellerisch ausgeschmückt. Es gibt jedoch keine einzige Urkunde, die diese Tatsache dokumentarisch belegen könnte. Ein längerer Aufenthalt des Herzogs ist ganz unwahrscheinlich, es kann sich höchstens um einen kurzen Besuch gehandelt haben. Auf eine andere interessante Begebenheit hat  Adolf  Müller aufmerksam gemacht. Im Jahre 1551 scheinen auf dem Alsbacher Schloß Geheimverhandlungen zwischen den Unterhändlern des Kurfürsten Moritz von Sachsen und des Königs von Frankreich stattgefunden zu haben. Durch dieses Bündnis wurde Karl V. gezwungen, Deutschland zu verlassen. Die Hilfe des französischen Königs wurde mit der Abtretung der lothringischen Bistümer Metz, Toul und Verdun erkauft. Bei diesen Verhandlungen scheint der Darmstädter Oberamtmann von der Thann eine wesentliche Rolle gespielt zu haben. Philipp der Großmütige hat ihm von seiner Gefangenschaft in den Niederlanden aus die notwendigen Anweisungen erteilt und Kaiser Karl V. mattgesetzt, eine beispiellose diplomatische Leistung.

Grafen von Dietz 

In seinem Testament übertrug Philipp der Großmütige die Burg und das Amt Bickenbach und seinen Söhnen aus der Morganatischen Ehe mit Margarete von der Saale, den Grafen  von  Dietz. Sie scheinen es schon um 1562 in Händen gehabt zu haben. 1577 fiel der Besitz an Landgraf Georg I. von Hessen-Darmstadt  zurück.

Zustand des Schlosses um 1558 und 1573    

Aus dem Jahre 1558 besitzen wir einen Bericht des landgräflichen Baumeisters Georg Lechner über den Zustand einiger Gebäude des Schlosses und seinen Überschlag über die  Reparaturkosten:

Erstlichen die Küchen sampt dem Schornstein gar bös ist und zu besorgen, wo er umbschlüge, dem großen Bawe zimlichen Schaden thun würde.

Zum andern ist der große Speicher  in  Dachung sehr abgegangen und hochvonnöten zu  besteigen.

Zum dritten ist das Backhaus, Stall, Kelterhaus alles not zu decken und zu bessern, der  große Thorm im Hof, daruf das  Wächerhaus ist gestanden, gar eingefallen und die Mauer inwendig großen Schaden nehmen.

Zum vierten ist die hoch Mauer in der inwendig Zargen sehr ufgerissen, die man dann mit Pfeiler versehen muß, sonst zu besorgen, wo sie einfiel, daß sie die ander Mauer auch          mit einschlüge. So ist die Brücke sehr bös und hochvonnöten zu machen.

Uff solche obgemelte Punkten kann ich Ewer Gnaden nit so gar eigentlich anzeigen, was  sie kosten werden, dann die Leyhenstein und anderes schwer zu bekommen ist, aber doch  ungefehrlich geacht uff fünffhundert Gulden." 

Im Jahre 1573 berichtet Keller Meurer, daß bei der Pforte ein Stück Mauer eingefallen sei.  An einem Novembertag hätten nachts Hunde gebellt.  Daraufhin sei er mit seinem  Diener  "mit geladenen Buchßen uff die Mauern  gelaufen  und nach der  Pforten geschossen"          und hat daraufhin die  "Lecker" nach Zwingenberg den Weg hinab mit großem Geschwätz  laufen hören. Er hat Angst um das Geld, das er für seinen gnädigen Herrn behütet, und um sein Leben. Er bittet darum, daß die eingestürzte Mauer bald repariert wird und veranschlagt die Kosten auf  391 Gulden. Im folgenden Jahr berichtet er, daß im Haus Bickenbach der  Speicher, das  Kelterhaus und die Küche mit Dachung versehen werden  müssen, wenn sie nicht über den Haufen fallen sollen. 1575 wird dann berichtet, die  große Baumkelter auf dem Schloß sei letzten Herbst zusammengebrochen.

Die Burg im 3o jährigen  Krieg

Bis ums Jahr 1614 hatten hessische Amtskeller ihren Sitz auf der Burg. Damals wurde das Amt Bickenbach zum Amt  Zwingenberg geschlagen, während gleichzeitig ein Amt Jägersburg gebildet wurde.

Im 30jährigen Krieg hatte das Schloß eine hessische Besatzung unter dem Befehl des Hauptmanns Johann Philipp von Schaumont. 1609 wurde er von dem Landgrafen Ludwig V. als  "  Trillmeister "  in hessische Dienste genommen, um die hessischen Truppen besser auszubilden. Vorher war er im Dienst bei dem Markgrafen Joachim Ernst von Brandenburg. 1623 wurde er mit dem Schloß Bickenbach belehnt. Das Burglehen ging 1636 an seinen Sohn Georg Hans Philipp von Schaumont über, der noch 1664 in Alsbach nachweisbar ist. Etwa bis dahin scheint das Schloß bewohnt gewesen zu sein.

Bei den Überfällen der Soldateska hat die Burg in vielen Fällen der Bevölkerung als Unterschlupf gedient. So nur ist es zu erklären, daß etwa 20  % der  Alsbacher Bevölkerung diesen furchtbaren Krieg überstanden, während in Hähnlein noch nicht 10  %  überlebt haben.

Zerfall und Renovierung

Fast zweihundert Jahre war das Schloß dem Zerfall preisgegeben. Die Bevölkerung nutzte es wie überall als bequemen Steinbruch. Die ersten größeren Wiederherstellungs- und Sicherungsarbeiten wurden 1863 vom Großherzog angeordnet.  Die  Baumeister  Mittermaier  und  Horst haben sich hierbei Verdienste erworben. Mit dem aufkommenden Fremdenverkehr vor hundert Jahren wurde das Schloß beliebtes Ziel der Wanderer und Heimatfreunde. Den Anfang machten 1866 Zar Alexander und Zarin Marie. Letztere besuchte nochmals 1873 den Lieblingsplatz ihrer Kinderzeit, den sie in den Sommermonaten vor 1836, wenn sie mit ihrer Mutter auf dem bescheidenen Landgut auf dem benachbarten Heiligenberg weilte, schätzen und lieben gelernt hatte. Zahlreiche Jugenheimer Kurgäste jener Zeit suchten die mit mächtigem Efeu umrankte Ruine mit Vorliebe auf. Die schon vor dem Jahre 1829 bezeugten Anlagen um das Schloß wurden von der Forstverwaltung ständig verbessert.

In jüngerer Zeit (1968-70) schuf die Gemeinde in Zusammenarbeit mit dem Land Hessen dem Landkreis, dem Verein Naturpark Bergstraße-Odenwald und dem Forstamt Jugenheim eine Erholungsanlage Alsbacher Schloß. Über 200 000 DM wurden ausgegeben für die Freilegung und Sicherung der Mauern, den Ausbau der Fahrstraße und neuer Parkplätze, die Herstellung eines Kinderspielplatzes, einer Liegewiese und eines  Wassertretbeckens. Die feierliche Einweihung, zu der etwa 2000 Menschen zusammengeströmt waren, fand am 6. September 1970 statt.

Seit 1997 kümmert sich der Historische & Kulturelle Förderverein Schloß Alsbach e.V. um die Erhaltung, Restaurierung und Verschönerung der Burganlage. Seit dem  7. Mai 2000 wird die Burganlage vom Verein verwaltet.